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Ein Lehrgang im hohen Norden
Der PSV Kiel lud am 26./27.06 zum jährlich stattfindenden Kieler Wochen Lehrgang ein. Die Lehrgangsleitung lag in den bewährten Händen von Markus Hansen, was von Anfang an für ein unterhaltsames Wochende sprach. Als Lehrer hatte er dieses mal Martin Glutsch eingeladen, einen 6. Dan, der, trotz Ferienbeginn in fünf Bundesländern, durch halb Deutschland fuhr, um den rund 80 angemeldeten Aikidokas etwas von seinem Können zu vermitteln.
Die Voraussetzungen für zwei schöne Aikido-Tage waren damit gegeben. So fuhr ich also am Samstagvormittag bei strahlendem Sonnenschein und mit zahlreichen Taschen beladen los, im Gepäck außerdem auch zwei meiner Schüler (naja... Ich gebe zu, es war eher andersherum ;-) ).
Laut Routenplaner sollte die Fahrt 1 Stunde und 20 Minuten dauern, doch der Stau auf der A7 zerstörte diese Illusion. Während die Zeit zu rasen schien, schlichen wir im Schneckentempo über die Autobahn. Aber: Was länge währt, wird endlich gut - tatsächlich schafften Christian und ich es noch pünktlich auf die Matte.
Und dann begann der Unterricht. Erwärmen und Lockern sollte sich jeder selber, was sich bei den Temperaturen allerdings von selbst ergab. Dann ließ Martin eine, bereits von seinen anderen Lehrgängen bekannte Technik üben - die dadurch nur leider nicht einfacher wurde: Angriff Katate-tori ai-hanmi, schneiden, hinter den Partner, dem Partner die Hände auf die Schultern legen, zurückgleiten. Eigentlich simpel, oder? In der Praxis dann aber irgendwie doch nicht. Und ob der vielen Fragezeichen, die da auf der Matte rumliefen, zeigte Martin das Ganze ein zweites Mal und betonte das Wichtigste: nicht zurückgleiten, sondern drehen und die Hände komplett entspannen. Aha!
Überhaupt: Die Hände! Diese entspannte Handhaltung zog sich durch all seine Techniken, gemeinsam mit seinem Absenken des Zentrums in Zeitlupe (da waren wir ja selbst im Stau schneller). Beim Kaiten-Nage war es das Gleiche: Neben den Partner stellen, Hand in den Nacken, Hüfte drehen und dem Partner von hinten nach vorne über den Kopf streichen und tadaaa - schon liegt er auf der Matte. Alles ganz einfach, wenn Martin Glutsch das macht. Wie gut, dass da wenigstens bei einer Technik Hilfe in Form eines 5. Dans nahte, der mit mir übte und mich immer wieder geduldig darauf hinwies, sobald ich die Orientierung verlor und links und rechts und oben und unten verwechselte.
Nach drei Stunden intensivem Training stürmten alle das reichhaltige Buffet, das die Kieler extra für uns vorbereitet hatten. Eine wirklich klasse Idee, denn am Abend gab es ja noch reichlich Programm: Die Kieler Woche lockte und pünktlich um 20.30 Uhr trafen wir uns alle am Guiness-Stand. Es wurde ein sehr lustiger Abend, der sich später vom Bierstand zu einer Bühne mit Livemusik verlagerte. Das Thema war wohl so was wie "Partyhits der 70ger", auf jeden Fall sorgten sie für gute Stimmng. Dann war es allerdings auch bald schon Zeit zur Halle zurückzukehren, in der wir übernachten wollten. Da wir einen ehemaligen Kieler Studenten unter uns hatten, der sich auch vom Bier nicht aufhalten ließ, wurden wir sicher zur Halle geführt und konnten in unsere Schlafsäcke kriechen.
Am Sonntagmorgen ging´s nach dem Frühstück dann gleich mit dem Aikido weiter. Christian war heute nicht dabei, dafür aber Vincent, der auf das gestrige Training verzichtet und seine Kräfte für heute aufgespart hatte.Martin zeigte weitere Techniken und - siehe da - viele Elemente von den Techniken am Samstag kehrten heute wieder und bereiteten immer noch genauso viele Probleme. Aber immerhin waren sie jetzt bekannt. Arme und Beine machten nicht mehr nur das, was sie wollten, sondern hörten auch auf´s Hirn - wenn auch eher zögerlich. Alles in allem war es doch ein Erfolgserlebnis, was wohl mit Sicherheit an Martins Art lag, der offensichtlich von Anfang an eingeplant hatte, dass diese Bewegungen für einen Großteil der Teilnehmer ungewohnt waren. Gerade deshalb hat er viel erklärt und war immer dann zur Stelle, wenn noch zusätzliche Fragen auftraten. Beeindruckend fand ich auch besonders, dass er alle - vom 6. Kyu bis zum 5. Dan - begeistert und beschäftigt hat ohne jemanden zu über- oder unterfordern.
Ein wirklich schöner Lehrgang, wie ich ihn schon lange nicht mehr erlebt habe!
Sofia Syed |